ASB Magazin
Dezember 2024
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Erste Hilfe für die Seele   
Unterstützung für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) des ASB

Michael fand seinen Weg ins Ehrenamt, als er 2022 ein Buch von Dr. Andreas Müller-Cyran, Samariter und Gründer der Krisenintervention in München, las. Berührt von den Inhalten des Buches und den Erfahrungen, beschloss Michael, das PSNV-Team des ASB Berlin zu unterstützen.Das Krisenbetreuungsteam ist für Menschen da, die gerade einen nahen Angehörigen verloren haben, einen schweren Unfall miterleben mussten oder sich das Leben nehmen wollen. Sie leisten sogenannte psychologische Erste Hilfe. Darüber hinaus betreut das PSNV-Team auch Einsatzkräfte nach belastenden Einsätzen. Ein Angebot, das allen Haupt- und Ehrenamtlichen innerhalb des gesamten ASB Berlin zur Verfügung steht. 

Einblicke in Team und Arbeit 
Überzeugt von der Idee, Erste Hilfe für die Seele zu leisten, kontaktierte Michael die Leiterin der Fachgruppe Psychosoziale Notfallversorgung und nahm daraufhin am ersten Fachgruppentreffen teil. Eineinhalb Jahre lang schnupperte Michael in die Gruppentreffen hinein, lernte das Team und die Arbeit besser kennen, bevor im November 2023 endlich der erste Ausbildungslehrgang nach Corona startete. Insgesamt 130 Stunden verteilt auf die Wochenenden dauerte die Ausbildung, in der die Grundlagen der Psychologie vermittelt, Fallbeispiele besprochen und Rollenspiele ausprobiert wurden. Nach der Theorie folgten noch vier Hospitationen im Rettungsdienst, bei der Polizei und beim Berliner Krisendienst. Die Ausbildung endete mit einem Abschlussgespräch im April 2024 und Michael war bereit für seinen Einsatz. Und der kam mit dem ersten Gruppenspiel bei der Europameisterschaft im Sommer. Jetzt hieß es: „Durchatmen, Micha, jetzt geht es los, auf diesen Moment hast du monatelang hingearbeitet.“ Das Wissen, gut ausgebildet zu sein, gab ihm die nötige Sicherheit. 

Großeinsätze und Einsätze im häuslichen Umfeld 
In der PSNV gibt es zwei Arten von Einsätzen: den Einsatz im häuslichen Umfeld und den Großeinsatz. Während die Ehrenamtlichen im Großeinsatz im Zweier-Team gemeinsam mit den Sanitäter:innen unterwegs sind, werden sie für den Einsatz im häuslichen Umfeld per App von der Polizei oder der Feuerwehr angefordert. Das Erkennungsmerkmal: die violette Weste, die mittlerweile in allen Bundesländern die Farbe der Notfallseelsorge ist. Außerdem hat Michael immer seinen Rucksack dabei, der eine bunte Mischung an Materialien enthält, die vor allem im häuslichen Umfeld nützlich sind, wie zum Beispiel Kerzen, Kinderspielzeug, die Bibel, aber auch Traubenzucker, Regenponchos und Flyer für weitere Hilfsangebote. Nach der Europameisterschaft folgte der nächste Einsatz für Michael beim CSD Berlin. Sein Ziel ist es immer, Menschen, die Hilfe benötigen, wieder handlungsfähig zu machen und sie in das eigene Netzwerk zu integrieren. 

Die größte Herausforderung sieht er in der Arbeit mit Kindern und für Kinder. Aber auch darin, Situationen nicht zu bewerten, unabhängig vom persönlichen Empfinden. Sein Umfeld reagierte sehr positiv auf das neue Ehrenamt, aber riet ihm, gut auf sich aufzupassen. Für Michael sind die Supervisionen, die Fortbildungen und das Wissen, dass er abends die Schutzausrüstung wieder ablegen kann, ein wertvoller und hilfreicher Gedanke bei der Selbstfürsorge. Das Wissen, dass Michael helfen kann und dass es den Menschen nach den Gesprächen besser geht als vorher, bereichert ihn.

Kontakt
Silvia Zesch 
Tel.: 0179/108 78 00 
E-Mail: s.zesch@asb-berlin.de

Klaus Kunitz 
Tel.: 0174/1318473 
E-Mail: 
k.kunitz@asb-berlin.de


Text: Henriette Lehnig